Kapitel 6 - November 1940 - Aufregung: der erste Brief
Zwei Tage später erhalte ich eine Mail von Margarethe.
Ich bin aufgeregt und überfliege den Text. Entscheidend ist der Anhang. Drei PDF-Dateien sind beigefügt.
Ich verschlinge den Inhalt.
Hamm, den 12.11.40
Ihr Lieben daheim!
Nun muß ich mich aber schnell mal für alle Eure Liebesgaben bedanken, obwohl ich wenig Zeit habe.
Es werden täglich Leute von hier abgestellt. Heute wurde auch ich gefragt, ob ich zur Feldtruppe wollte, ich konnte mich aber noch nicht dazu entschließen.
Am Samstag hauen die schon ab. Ich möchte mich gerne eher mit Lotte verloben, bevor ich in Feindesland gehe. Und trotzdem kann es sein, das wir doch noch eher fort kommen, denn täglich kommen hier Leute fort. Also ist es möglich, das auch ich bald dabei bin.
Eben habe ich von Erni ein Päckchen bekommen, für das ich mich auch noch schnell bedanken will. Sagt auch Onkel Willi vielmals Dank und alle den anderen, denn ich habe jetzt wenig Zeit. Ich bin auch zu erregt, um mehr zu schreiben, denn so eine Frage ist doch immerhin eine Lebensfrage.
Viele Grüße von Eurem
Adolf


Er schreibt so, als würde dir eben im Vorbeigehen etwas zuwerfen. Ganz nahbarer und echt, nicht zu verkopft. Es ist als würde man die Gedanken von jemand hören der gerade auf Social Media etwas teilt. Seltsam wie sich eine Stimme aus der Vergangenheit sich so frisch und lebendig anfühlen kann. Und so eine Sauklaue hat er doch gar nicht :)
AntwortenLöschenIch weiß nicht wie lange er schon dient zu dem Zeitpunkt. Vom Klang seiner Worte hat er keine Angst in "Feindesland" zu gehen. Vom Inhalt vielleicht schon. Er will sich erst mit Lotte verloben. Er will das wichtige durchziehen bevor er geht, weil er vielleicht nicht weiß ob er je zurückkommt. Eine stürmische Zeit für eine junge Liebe.