Kapitel 18 - Juni 1941 - Versöhnung: Briefe 38-40

 ...Lotte hat häufig geschrieben. Die Briefe kamen jedoch nicht immer an.

Ich halte einen Brief in meiner Hand, von dem ich immer dachte, er sei von seiner "Mutti" - tatsächlich steht dort aber "Müppi". So nannte er Lotte - Die Müppi. 

Warum dieser Brief hier im kleinen Koffer gelandet ist, verstehe ich trotzdem nicht. 

Der Brief hätte genauso gut von "Mutti" Auguste stammen können, finde ich. 

Isabel, meine Transkript-Heldin, löst das Rätsel allerdings später auf..

                                                                                                                                                                     

Wülfrath, den 11 Juni 41

"Lieber Dolf,

heute habe ich ganz solide gelebt. Heute morgen war ich in der Stadt und heute Nachmittag war ich zu Hause.

Ja Dolf, deine Müppi ist wirklich nicht so schlecht wie du es denkst. Mit der gleichen Post geht ein ganzes Päckchen an dich ab. 

Eben waren "Veldhurst" hier - ich soll dir viele Grüße bestellen. Der kleine Mann ist ein prima Kerlchen.

Was Dolf, wenn du auch mal so einen kleinen Kerl hast.

Aber daran ist ja in diesen ersten Jahren gar nicht zu denken.

Dolf, viel weiß ich auch nicht zu schreiben, zumal ich gestern bereits zwei Seiten an dich schrieb.

Hoffentlich bist du jetzt zufrieden mit mir?

Ja Dolf, mehr kann ich nicht schreiben.

Es grüßt dich herzlichst

Deine Müppi


                                                                                                                                                                         

Diese Karte kenne ich schon ewig. Die einzige Schrift, die ich gut lesen konnte.

Ich war so sicher, die Karte stammt aus der Feder von seiner Mutter Auguste..

Nachdem ich jedoch Dolf's Antwortbrief lese, bin ich froh, dass es nicht so ist.

                                                                                                                                                                      


O.U. 19. Juni 1941

Mein heißgeliebtes Goldkind!

Eben bekam ich den so heiß ersehnten Brief von Dir. 

Nun bin ich wieder etwas besser gelaunt. Es war ja auch nicht schön von Dir, das Du solange nicht geschrieben hast. 

Seit vorige Woche Freitag habe ich keine Post mehr von Dir bekommen und heute ist Donnerstag. Gerade jetzt unter diesen Umständen hättest Du doch mehr schreiben müssen.

Jetzt ist es allerdings zu spät, eigentlich doch sehr schade. Aber weil der Brief, den ich eben bekam, so schön war, will ich mal nicht schimpfen. Vielleicht liegt es ja auch an der Post, dann hättest Du ja Glück gehabt.

Liebe Müppi, ich bin glücklich das es mit Dir so schön geklappt hat, das mußte ja auch so kommen. Du bist doch so ein richtiger Bengel, wie könnte da etwas schief gehen.

Nur mußt Du aufpassen das nicht ne Glatze bekommst durch Deinen Haarausfall. Und sobald die Haare wieder schnittfertig sind, dann runter damit und mir schnell ein Bild schicken. Ich bin richtig gespannt wie Du dann wohl aussehen magst. 

Mit dem Fliegeralarm das scheint ja ganz toll zu sein, aber Eure Villa kriegt sicher nichts mit. Wo so liebe Menschen wohnen, wie Du, da passiert schon nichts. 

Liebe Müppi, mit dem Bild das geht ja nun nicht mehr, also mußt Du mich vergessen, denn ohne Bild kennst Du mich ja nicht mehr?! Das ist aber auch nicht schlimm, wenn ich Dich dann mal besuchen kommen, hänge ich mir ein großes Schild um mit meiner Adresse. 

Und wenn Du dann immer noch nicht glaubst, ich wäre es, dann nehme ich Dich in den Arm und gebe Dir einen dicken langen Kuß, dann weißt Du aber ganz bestimmt, das war bzw. ist mein Dolf. 

Also Müppi, mit dem Bild mußt Du noch etwas warten, schließlich zu Weihnachten?!

Oder meinst Du das wäre noch zu früh? 

Wer weiß wie lange der Schwindel noch dauert. Doch was tut das uns, wo Du doch son tapferer kleiner Frechdachs bist, der sich für nichts bange macht. Und um auf einen lieben Menschen zu warten, braucht man garnicht besonders tapfer sein, nur ein wenig Willenskraft und dann klappt es schon und wir haben gewonnen. Es gibt eben nichts mehr, was uns beide auseinander bringen könnte, davon bin ich felsenfest überzeugt. Sei also tapfer und bleibe auch in Zukunft so, wie Du jetzt bist. 

Morgen erhältst Du den letzten Brief von mir für einige Zeit.

1 langen heißen Kuß von Deinem treuen Dolf

Viele Grüße an Vater u. Mutter! 

                                                                                                                                                                      


O. U., den 30. Juni

Auf dem Vormarsch

Liebe Eltern u. Geschwister!

Diese Zeilen schreibe ich auf russischem Boden. 

Mir geht es tadellos, was ich auch von Euch erwarte. Die Post kommt alle paar Tage nach und wir können

auch ab u. zu schreiben. Also schreibt man ruhig weiter, es ist alles ganz herrlich organisiert bei diesem Feldzug. 

An Lotte habe ich schon 2x einige Zeilen geschrieben, auch schon Post von Ihr bekommen.

Ferner Post von Willi u. Marta. 

Willi scheint ja auch in der Kante zu liegen, wie Ihr schreibt. Viel kann ich Euch ja nicht schreiben, das könnt Ihr Euch ja denken.

Und was hier vorgeht, hört Ihr ja im Radio. Also bis zum nächsten Mal

1000 Grüße

Euer Adolf


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