Die Suche nach Lotte (4) - es tut sich was
Mit den neuen Informationen über Lotte, insbesondere ihres Geburtsdatums, habe ich inzwischen deutlich mehr Anhaltspunkte als viele andere, die praktisch bei null anfangen. Wirklich weiter bringt mich das jedoch nicht, denn Geburtsurkunden von Personen, die 1921 geboren wurden, unterliegen noch immer der gesetzlichen Schutzfrist.
Zugang zu einer Heiratsurkunde wäre nur möglich, wenn Lotte vor 1946 geheiratet hätte, da hierfür eine Schutzfrist von 80 Jahren gilt. Dass sie während des Krieges geheiratet hat, halte ich eher für unwahrscheinlich. Natürlich ist es möglich, aber die Umstände jener Zeit – Krieg, Unsicherheit, Geldmangel und die Abwesenheit vieler Männer – sprechen aus meiner Sicht eher dagegen. Mein Gefühl sagt mir, dass ich auf diesem Weg nichts finden werde.
Eine weitere Anfrage beim Standesamt erscheint daher momentan wenig sinnvoll.
Theoretisch könnte ich mich an das Stadtarchiv wenden und nach einem Sterbeeintrag fragen, der zu ihrem Vornamen und Geburtsdatum passt - für Sterbeurkunden gilt lediglich eine Schutzfrist von 30 Jahren - sollte Lotte also vor 1996 verstorben sein, könnte dort ein Treffer zu finden sein. Da meine letzten fünf Anfragen jedoch unbeantwortet blieben, lasse ich auch diesen Weg vorerst ruhen.
Weil Geduld nicht gerade meine Stärke ist, versuche ich etwas anderes:
Ich suche nach Frauen namens Lieselotte, die am 04.05.1921 geboren wurden. Vielleicht taucht irgendwo eine Todesanzeige auf.
Tatsächlich finde ich zwei Anzeigen. Beide Frauen lebten beziehungsweise starben in NRW – zunächst ein vielversprechender Hinweis. Doch die Mädchennamen passen leider nicht. Schade.
Als Nächstes nehme ich mir ein Wülfrather Adressbuch von 1961 vor. Ich lade die PDF herunter und suche nach dem Vornamen „Lieselotte“. Rund 25 Treffer erscheinen.
Ich notiere jede einzelne Lieselotte samt Nachnamen und recherchiere parallel weiter. Etwa 20 von ihnen kann ich mithilfe genealogischer Datenbanken oder Todesanzeigen eindeutig ausschließen.
Vier bleiben übrig.
Eine dieser vier Frauen könnte "meine" Lotte sein. Doch auch sie bleiben digitale Gespenster. Alleine komme ich nicht weiter. Ich habe bereits sämtliche Foren und Gruppen in den sozialen Medien durchforstet – ohne Erfolg. Niemand kennt sie.
In meiner Verzweiflung schreibe ich schließlich einige Zeitungen an. Erst kleinere Lokalblätter, dann größere Redaktionen.
Nichts.
Ich bin frustriert.
Und dann, eines Morgens, erhalte ich eine E-Mail ...
Eine freie Journalistin schreibt mir, dass sie von einer Zeitung beauftragt wurde, einen Bericht über diese Spurensuche zu verfassen, und fragt, ob wir einmal telefonieren könnten.
Was?!
Ich lese die Nachricht bestimmt fünfmal.
Ich kann es kaum glauben.
Im ersten Moment habe ich sogar Angst, dass das ein Scherz sei. Man weiß ja heutzutage nie...
Doch schon wenig später führen wir ein ausgesprochen freundliches Telefonat.
Sie fragt mich, ob ich bereits Kontakt zum Stadtarchiv aufgenommen habe. Als ich ihr von meinen erfolglosen Anfragen erzähle, bietet sie sofort an, dort selbst noch einmal nachzuhaken. Mit dem Stadtarchivar habe sie bereits mehrfach zusammengearbeitet.
Außerdem erzählt sie mir, dass sie die Geschichte – und insbesondere die Suche nach Lotte – auf jeden Fall veröffentlichen möchte. Sie ist überzeugt, dass sich dadurch vielleicht doch noch ein entscheidender Hinweis finden lässt.
Wir vereinbaren ein persönliches Treffen für die folgende Woche.
Ich bin unglaublich aufgeregt.
Kurze Zeit später erhalte ich bereits das nächste Update: Der Stadtarchivar hat sich zurückgemeldet.
Und nicht nur das – er scheint genauso interessiert an der Geschichte zu sein wie wir.
Man teilt mir mit, dass er alles versuchen möchte, um mehr über Lotte herauszufinden.
Dabei erfahre ich auch, dass er seit Monaten völlig überlastet ist. Das Archiv steht vor einem Umzug, die Arbeit stapelt sich, und eigentlich hat er alle Hände voll zu tun.
Und trotzdem nimmt sich dieser Mensch die Zeit, nach einer Frau zu suchen, die seit Jahrzehnten verschwunden ist und die er nie gekannt hat.
Ich sitze vor dem Bildschirm und habe einen dicken Kloß im Hals.
Wie schön ist das bitte?
Dass plötzlich Menschen beginnen, sich für Lotte zu interessieren.
Dass sie helfen wollen.
Und dass ihre Geschichte vielleicht doch noch nicht zu Ende erzählt ist...
Ich werde immer zuversichtlicher, diese Frau zu finden..

Ohhhhh wann geht es weiter .??? Bin ganz aufgeregt und möchte so gerne weiter lesen
AntwortenLöschenes wird noch eine kleine Weile dauern… vlt 2-3 Wochen 🫠
AntwortenLöschenBin schon voll neugierig
LöschenIch bin vor drei Wochen auf deinen Blog gestoßen und hab gebannt deine Geschichte und die deiner Familie verfolgt.
AntwortenLöschenIn meiner Familie hat eine Tante sehr viel aus unserer Familienhistorie (ich bin aus Österreich) aufgeschrieben und zusammengetragen was sie von früherer Verwandten auch aus der Kriegszeit und danach weiß.
Ich kann so gut nachfühlen wie wichtig es sein kann Antworten zu bekommen.
Danke dass du mich und so viele andere mit auf diese Reise nimmst.
Viele Grüße!
Ich danke dir, liebe Kristina!!!
LöschenIch bin vor drei Wochen auf deinen Blog gestoßen und habe ihn gebannt verfolgt. Es ist so spannend von deiner Geschichte und der deiner Familie zu lesen.
AntwortenLöschenMeine Tante hat auch viel über unsere Familiengeschichte zusammengetragen (ich bin aus Österreich)und in einem kleinen Buch unserer Familie zugänglich gemacht. Ich kann gut nachvollziehen wie wichtig es sein kann Antworten und 'Fakten' zu bekommen.
Danke dass du deine Recherche hier teilst!
Viele Grüße, Kristina