Kapitel 10 - Dezember 1940 - Frust & Sparsamkeit: Briefe 6-7

Im Westen (Frankreich), den 14.12.40

Abends um 18.45 Uhr


Liebe Eltern u. Geschwister!

Seit Mittwochabend sind wir nun hier in unserem neuen Heim.

Es gefällt mir ganz gut hier. Das einzige was mich stört, das die Lokale alle so unsauber sind und man sich mit den Leuten kaum verständigen kann. Aber unser Quartier ist tadellos, natürlich kein Vergleich mit einem deutschen Quartier oder gar einer deutschen Kaserne. Wir haben erst mal ein groß reinemachen veranstaltet, bevor wir uns häuslich niederließen.

Liebe Mutter, heute habe ich Deinen Brief erhalten, er war wunderbar, es hat mir richtig gut getan. Von Lotte habe ich 3 Briefe heute erhalten, es war die erste Post, die ich hier erhalten habe. Lotte scheint sich ja bei Euch jetzt ganz wohl zu finden. Sie schrieb mir auch, das Mutter für unsere Zukunft sorgen wolle. Ach, Mutter, Du könntest mir keinen größeren Dienst erweisen, als wie das, denn ich weiß, was ich an meiner Lotte habe. 

Wir bekommen jetzt 240 Franc, das sind nach deutschem Geld 12,- RM. Also komme ich jetzt schon zurecht und brauche kein Geld mehr von Dir, zumal ich jetzt Putzer bei einem Unteroffizier bin wo ich mir auch noch einige Pfennige verdienen kann.

Du siehst daran, liebe Mutter, das auch ich mein möglichstes tue, um sparsam zu leben.

Heute Abend sind alle ausgegangen von unserer Stube, ich sitze ganz allein am Ofen um allen einige Zeilen zu schreiben. Den Ofen haben wir uns heute aufgebaut, wir haben in den vergangenen Tagen gefroren, wie die Schneider.

Ich bin ordentlich erkältet.

Morgen früh ist ein Fußballspiel von unseren Uffz. auf dem franz. Sportplatz. Wenn man das Elend hier in Frankreich sieht, dann meint man doch, zu Hause wäre das Paradies. Dankt Gott und seit zufrieden, das es Euch noch so gut geht.

Nun muß ich allmählich zum Schluß kommen, da ich noch an Lotte und Willi schreiben will. 

Also Ihr Lieben, seid wohlgemut und oben auf, ich bin es auch. Mir kann niemand meinen Humor nehmen.

Seid nun alle recht herzlich gegrüßt und geküßt von Eurem Sohn u. Bruder

Adolf

PS: Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn ich nach dem Kriege mit Vater und Willi über Frankreich fachsimpeln kann. Vater wird sich ja sicher auch riesig freuen, das seine Jungens auf seinen früheren Schlachtfeldern waren.

                                                                                                                                                                       


Am “Heiligen Abend”

um 22.00 Uhr

Liebe Eltern und Geschwister!

Ihr sitzt jetzt unterm Weihnachts-

baum und denkt gewiß an Eure Jungens. So eine Weihnachten werde ich nie vergessen, wie ich Sie heute erlebt habe. Aber schön wars doch. Morgen werde ich vielleicht den Führer sehen, er kommt ja Weihnachten hier hin. In den nächsten Tagen mehr, wir wollen noch ein bischen feiern.

Gruß Adolf

Randnotiz:

Sagt das allen Bekannten.

Es kommt hier oft deutsches Geld im Brief an, das können wir nicht brauchen. Wenn also mal jemand Geld schicken sollte, so nur durch Postanweisung.


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