Kapitel 8 - November 1940 - Heimweh & ein kleiner Hinweis: Briefe 4-5
26.11.1940
Ihr Lieben Daheim!
Eben habe ich ein Päckchen und 1 Brief von Euch erhalten. Es war das erste was ich von Euch hier bekommen habe. Am Sonntag habe ich von Lotte 3 Briefe erhalten.
Ich kann Euch die erfreuliche Nachricht geben, das ich höchstwahrscheinlich Freitagabend komme, es kann natürlich spät werden.
Wenn nichts mehr unerwartet dazwischen kommt, dann bin ich am Wochenende bei Euch, denn am gestrigen Abend habe ich Urlaub eingereicht. Falls wir noch länger hier bleiben sollten, können wir alle 2 Wochen nach Hause fahren, aber es ändert sich hier alles über Nacht.
Wie sich mein Muzken wohl freuen wird, wenn Ihr Dolf am Freitag kommt. Sagt Ihr aber bitte nichts davon, ich will sie überraschen. Ich werde wahrscheinlich erst um 10.00 Uhr mit der Straßenbahn kommen. Aber wie gesagt, bestimmt ist noch garnichts.
Sonst geht es mir ganz gut, ich hatte eine leichte Blutvergiftung am Arm, die aber auch schon wieder hergestellt ist. Und das Geld ist bei mir furchtbar knapp, das kommt daher, das man öfter ausgeht, wie in der Kaserne. Ferner muß man seine Wäsche waschen lassen, das Haareschneiden ist teuer u.s.w.
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Ein zweiter Brief an seine Mutter..
"Liebe Mutter, ich habe Dir ja schon mal gesagt, dass ich mich mit Lotte zu Weihnachten verloben möchte – du musst nun nicht denken, ich hätte unüberlegt gehandelt.
Meine liebe Mutter, ich bin eine ganze Portion vernünftiger geworden als früher. Ich kann Dir auch nicht sagen, was mich auf einmal so dazu drängt, aber ich weiß das ich von Lotte nicht lassen werde. Und sie von mir auch nicht. Ferner bin ich auch bald schon 21 Jahre, also aus dem Jünglingsalter raus. Die schwerste Frage die im Augenblick besteht, ist die Frage der Feier bzw. des Geldes.
Ich kann verstehen dass dir das Geld viel Kopfschmerzen macht. Ich habe da mit Lotte schon einen Weg gefunden. Die Ringe haben wir schon, also ist das schon mal geregelt. Sonst soll auch nicht viel gemacht werden. Ihr werdet bei Göpfers zu einem Besuch eingeladen und sonst braucht da kein Mensch bei zu sein. Die Karten bezahle ich, das laß also meine Sorge sein – Alles Weitere besprech bitte mit den Göpfers.
Also liebe Mutter, ich bitte Dich als dein lieber Sohn mir doch den Wunsch zu erfüllen. Du hast mir ja jeden Wunsch erfüllt und ich habe auch sonst gar keine Wünsche. Das wäre die schönste Weihnachtsfreude."
Es ist wohl alles noch sehr frisch für ihn.
Die ersten drei Briefe lassen erahnen, dass er als junger Mensch seelisch stark überfordert mit der Situation ist. Auch hängt er sehr an seiner Mutter.
Er scheint nicht aus Überzeugung im Krieg zu sein. Sondern weil er muss.


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