Kapitel 17 - Juni 1941 - Überleben & Eifersucht: Briefe 33-37

 Gr., den 3. Juni 1941

Ihr Lieben zu Hause!

Eben erhielt ich das Päckchen mit den Apfelsinen und den andern schönen Sachen. Ich danke Euch auch recht herzlich. 

Nun sind die Pfingsttage auch wieder um, es waren herrliche Tage, die Sonne meinte es ja so gut. Ich habe von Samstagmittag bis 2. Abends keine Uniform angehabt. Nur ein kleines Höschen aus Sarajewo und dann in der Sonne rumgetollt. Ich werde bald schön braun sein. 

Der Dienst ist ganz zum aushalten und das essen auch prima. Besser kann ich es nie bekommen, doch lange wird das ja auch nicht mehr dauern. Vielleicht gibt’s vorher noch mal Urlaub, dann schellt‘s auf einmal bei Preußners und Euer „Raudi“ steht vor der Tür und bittet um Unterschlupf.

Dann könnt Ihr aber was vorspannen, dann kommt nochmal Leben in Euren Bau. Aber noch ist nichts bestimmt und beim Komiß weiß man nie wo man dran ist. 

Drückt noch mal feste die Daumen, vielleicht klappt es diesmal besser als wie in Frankreich. Viel neues weiß ich nicht.

Gruß und Kuß

Euer Julius!

                                                                                                                                                                           


Gr., den 5. Juni 1941

Liebe Preußners aus Wülfrath!

Schön ist’s bei den Soldaten, ja das kann ich jetzt sagen, denn ich habe mich nun richtig hier rein gefunden. Das kommt aber durch den Jugoslawien-Feldzug, denn da haben wir „jungen Schlipse“ ja genau so unsern Mann gestanden, wie auch die alten Obergefreiten. 

Eben bekam ich einen Brief von Euch, in dem Mutter mir mitteilt, das Sie mit meinen „Schwiegereltern“ nebst Frau und Ihrer eigenen Tochter den Film „Ohm Krüger“ gesehen hat. Gerade komme ich auch aus dem Kino und habe denselben Film gesehen. 

Am Dienstag habe ich schon einen Brief an Euch geschrieben, den ich aber eben noch hier liegen sah. Also verzeiht die Klüngelei es war nicht mit Absicht. Es ist ein herrliches Wetter hier, ich bin schon ganz schön braun.

Mit Ilse Wiegand das ist ja eine tolle Sache, die macht Ihrem Ehemann auch was Sorge und könnte es so gut haben. 

Dann wird Tedt Heidel sich wohl scheiden lassen, ich würde das wenigstens tun. Aber laß sie machen was sie wollen, das kann uns ja nicht erschüttern. Die Hauptsache wenn Ihr, Otto und Mutzken gute und anständige Kinder habt. Und das habt Ihr, wenn ich Euch auch oft Kummer gemacht habe.

Ich habe nun mal Musik in den Knochen und die muß raus solange ich jung bin. 

Aber Schande habe ich Euch doch noch nie gemacht und werde es auch in Zukunft nicht tun. 

Am Samstag bin ich bei einer Freundin unserer Quartierstochter zum Geburtstag eingeladen, die ist aus einer Nachbarstadt. Die kommt jeden Sonntag hier hin, ist schon 24, wird am 7. 25 Jahre und will in 2-3 Wochen heiraten. 

Die ist ganz verrückt auf mich, aber ich bin hert vor da Fott. Ich ziehe Sie ein bischen auf und dann ist’aus. Ich werde nie etwas tun, was ich von Lotte auch nicht haben will. 

Sonst geht’s mir gut -  danke, ich kann wieder alles essen. Ich fühle mich sauwohl, es kann mir garnicht besser gehen. 

Ich hoffe ja dasselbe von Euch, laßt Euern alten Kadaver von der Sonne bescheinen, ehe die Sonne von der Flak abgeschossen wird.

1000, meinetwegen noch mehr,

Küßkens von Eurem

Raudi, der rüstige Bengel


                                                                                                                                                                      


O. U., den 9. Juni 41

Liebe Preußners!

Eben erhielt ich von Euch einen lb. Kartenbrief. 

Ich will nun auch sofort wieder schreiben. 

Am Samstag bin ich mit unserer Quartierstochter nach deren Freundin gefahren, die wohnt so 25 km von hier. Ich war da zur Geburtstagsfeier eingeladen und für mich war es mal eine schöne Abwechslung. Ich wurde sehr freundlich empfangen und habe gut gelebt dort. Es waren 4 junge Mädchen da und die Mutter des Mädels und ich als Hahn im Korb. 

Ich habe den Verein den ganzen Abend bis in die Nacht am Lachen gehalten, für Bier hatten die auch schön gesorgt. Am Sonntagmittag, leckeren Braten, Pudding mit Himbeersaft und Kompott. Das kann man sich doch gefallen lassen, was meint Ihr? 

Ich bin jetzt so frei wie der Kaiser, da kommt man nämlich viel weiter mit. 

Das Ihr mir das Geld auf mein Buch getan habt, ist ja herrlich, dann werde ich demnächst noch mehr sparen, denn in der Wüste kann man ja auch kein Geld ausgeben. 

Eben bekam ich wieder einen lustigen Brief von Marga Groß, die schreib immer fleißig und lustig. Ich lege den Brief mal mit bei, der ist zum lachen.

An Günter Zimmer habe ich auch vorige Tagen einen sehr langen Brief geschrieben. Ich wollte Euch schon lange mal einige Bildchen schicken, aber das dauert wochenlang bis die Filme entwickelt sind. Eines lege ich Euch schon mal bei, die anderen müssen erst noch vervielfältigt werden.

Also geduldet Euch noch ein Weilchen, ich vergesse Euch nicht. 

Sonst geht’s mir gut, danke, was ich auch von Euch erwarte.

Seid also recht herzlich gegrüßt

von Eurem rüstigen Bengel Adolf


                                                                                                                                                                    


O. U., den 12. Juni 1941

Lieber Familienkreis!

Habe wieder ein schönes Bildchen für Euch, auf dem Ihr meinen prachtvollen Körper bewundern könnt. 

Ich habe mich beim Komiß ganz gut raus gerissen, meint Ihr nicht auch? 

Das Mädchen auf dem Bild ist eine Freundin unserer Quartierstochter, die kommt jede Woche 2-3 Tage hier her, so habe ich der den Kopf verdreht. Kann mich aber nicht interessieren, ist 25 Jahre und will bald heiraten. 

Eben kam meine Uhr an, Herr Göpfer schickte sie durch Post per Einschreiben.

Nun seid Ihr doch auch da beruhigt. Ich tue ja alles um Streitigkeiten oder Mißverständnisse aus dem Wege zu räumen. Denn das darf nicht sein, macht mir keinen Kummer. Bald werde ich für einige Wochen nicht schreiben können, also wißt ihr Bescheid. Aber solange es noch geht, werde ich immer fleißig schreiben. 

Habe nicht viel Zeit, da gleich der Dienst wieder beginnt.

Gruß u. Kuß

von Eurem Adolf


                                                                                                                                                                       


O. U., den 15. Juni 41

Liebe Familie Preußners!

Nun ist es der letzte Sonntag an dem wir hier sind, am Freitag geht’s wahrscheinlich ab. Ziel unbekannt, vielleicht weiß Müpken mehr?!

Wenn Ihr also demnächst mal für einige Zeit keine Post bekommt, dann ist das in der besten Ordnung. Dem Engländer muß ja auch bald der Knick abgedreht werden dieser Sauhund. Eher macht ja auch kein Urlaub richtig

Freude und dann bin ich wenigstens schon Gefreiter und kein ganz gewöhnlicher mehr.

Ich bin nur mal gespannt, wo ich Gefreiter werde, Oberschütze bin ich in Jugoslawien in Sarajewo geworden. 

Eben habe ich meine Meldetasche in Ordnung gemacht, da ich jetzt Melder bin bei meinem Leutnant. Feine Sache u. ein feiner Kerl unser Leutnant. Ich werde die Sache schon richtig machen, ich weiß was ich will.

Unsere Quartiersleute sind schon ganz traurig, die haben uns alle 5 gern gehabt. 

Wir haben auch manche Arbeit für sie getan. An das rumziehen bin ich ja nun schon gewohnt und man kann ja nicht überall Abschiedstränen vergeuden, da hätten wir aber viel zu tun. 

Von Willi habe ich vorige Tage auch eine Karte bekommen, wenn ich den mal irgendwo treffe, dann werden wir beide aber die ersten 14 Tage nicht mehr nüchtern. 

Auch Marga Groß hat mir wieder geschrieben, die ist sehr fleißig. Ich habe Euch ja einen Brief von Ihr mitgeschickt, da habt Ihr doch sicher drüber gelacht? 

Liebe Mutter, wenn

nunmal jemand nach mir fragt, dann sagt Ihm ich wäre wieder fort. Ich habe auch keine Lust u. keine Zeit, überall hin zu schreiben. Bis dahin ist noch allerlei zu tun und erfahren tuen es die Leute ja immer noch früh genug. 

An Euch werde ich, falls es mir möglich ist, nun jeden Abend schreiben. 

Eins kann ich Euch, besonders Mutter sagen, macht ja nicht wieder so’n Palaver um mich. Aller Tage ist kein Abend oder wie das noch heißt, ich bin mit allen Hunden gehetzt und werde das Kind schon schaukeln.

Nun bis morgen

Grüßt Euch Euer

rüstiger Bengel Adolf!


                                                                                                                                                                         


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