Posts

Zusatzkapitel 3 „Lotte“ - die Nadel im Heuhaufen

Bild
Bald kann ich den Namen „Göpfer“ nicht mehr sehen. *]:pointer-events-auto [content-visibility:auto] supports-[content-visibility:auto]:[contain-intrinsic-size:auto_100lvh] R6Vx5W_threadScrollVars scroll-mb-[calc(var(--scroll-root-safe-area-inset-bottom,0px)+var(--thread-response-height))] scroll-mt-[calc(var(--header-height)+min(200px,max(70px,20svh)))]" data-scroll-anchor="false" data-testid="conversation-turn-8" data-turn-id="request-WEB:8330266b-3f6b-4049-8e29-c50ae8667dca-3" data-turn="assistant" dir="auto"> Bis ins Jahr 1808 lässt sich dieser Name anhand von Geburts-, Heirats- und Sterberegistern aus Wülfrath zurückverfolgen. Also doch: eine alteingesessene Familie aus Wülfrath. Ich rekonstruiere daraufhin einen Stammbaum in einer genealogischen Datenbank. Auf Geburtsurkunden sind die Eltern vermerkt, ebenso auf Heirats- und Sterbeurkunden. Wenn sich Beziehungen eindeutig zuordnen lassen, speichere ich sie ab. Der letzt...

Zusatzkapitel 2 „Lotte“ - digitale Spurensuche

Das digitale Landesarchiv NRW Intuitiv ist die Webseite nicht. Zwar kann man auch hier Schlagwörter eingeben, doch diese führen nicht automatisch zu Geburts-, Heirats- oder Sterbeurkunden, wie ich zunächst gehofft hatte. Das Suchsystem erscheint – zumindest mir – äußerst komplex. Es braucht einige Tricks, um überhaupt zum Geburtenregister von Wülfrath zu gelangen. Als ich es schließlich gefunden habe, speichere ich mir den Link sofort ab, um den Zugang nicht wieder zu verlieren. Bislang sind dort Urkunden zu Geburten, Heiraten und Sterbefällen aus den Jahren 1810 bis 1875 digitalisiert. Informationen zu Lotte werde ich dort zwar nicht finden, doch mich interessiert, ob die Familie Göpfer bereits seit Generationen in Wülfrath ansässig war oder nur vorübergehend dort lebte. Um das System zu testen, recherchiere ich zunächst zu meiner eigenen Familie – den Preußners. Meinen Urgroßvater Otto finde ich dort noch nicht, da er erst 1890 geboren wurde. Doch ich stoße auf meinen Ururgroßvat...

Zusatzkapitel 1 „Lotte“ eine Suche beginnt...

Bild
Ich denke häufig an Lotte. Wie hat sie damals wohl den Verlust von Dolf verkraftet? Ist sie in Wülfrath geblieben? Hat sie geheiratet – und wenn ja, wen? Oder hat sie den Krieg womöglich gar nicht überlebt? Fragen über Fragen. Immer wieder male ich mir neue Szenarien aus. Doch die Wahrscheinlichkeit, sie heute noch lebend zu finden, ist verschwindend gering. Also beginne ich zunächst damit, alle Fakten über sie zu sammeln: Sie wird Lotte genannt – vermutlich eine Kurzform von Lieselotte oder Charlotte. Der Name Göpfer taucht immer wieder auf. Dolf schreibt Briefe an den „alten“ Göpfer, erwähnt ihn mehrfach und schildert, wie sehr dieser sich um sein einziges Kind sorgt. Damals lag Lotte im Krankenhaus, vermutlich wegen einer Blinddarmentzündung. Lotte Göpfer – ein Einzelkind. Eine schnelle Suche nach „Lotte Göpfer Wülfrath“ bleibt ohne Ergebnis. Auch Recherchen in genealogischen Datenbanken verlaufen erfolglos. In einem Forum für Ahnenforschung sowie Sütterlin- und Kurrentschrift erhal...

Epilog

Bild
Düsseldorf-Kaiserswerth, Januar 2026 Ein schöner Samstagnachmittag. Die Sonne scheint. Im Vergleich zu den eiskalten Minusgraden der vergangenen Wochen ist es heute sogar ziemlich warm: 12 Grad. Ich spaziere mit meinen Kindern am Rhein entlang durch Kaiserswerth. Es ist brechend voll. Wie immer zieht es die Menschen an solchen Tagen scharenweise hierher. Wir suchen vergeblich das Gespenst, das angeblich in der alten Burgruine wohnen soll. „Vielleicht schläft es tagsüber …“, sagt mein älterer Sohn. „Nein!!!“, ruft der Kleinere. Sie sind zwei und vier Jahre alt – knapp zwei Jahre Altersunterschied. Genau wie bei Großonkel Dolf und Oma Marianne. Um die beiden von hier wegzulocken, muss ich mir etwas einfallen lassen. „Wer möchte ein Eis?“ Zügig laufen wir Richtung Parkplatz und durchqueren eine kleine Unterführung. Davor befinden sich links und rechts leichte Steigungen: Die linke führt zurück in den Ortskern, die rechte zum Parkplatz. Für die beiden sind es riesige, steile Abhänge. Perfe...

Kapitel 20 - Trauer

Bild
 Düsseldorf-Kaiserswerth, November 2011 ... ”Die Mutti hatte ja so etwas wie den siebten Sinn”, sagt Omi. Ich sitze auf dem Sofa meiner beiden Omas, in gemütlicher Atmosphäre, bei gedämpften Licht. Tante Martha sitzt wie immer nickend, grinsend und Däumchen drehend in ihrem Sessel und pflichtet den Worten ihrer Schwester bei. "Ja, wie äußerte sich das denn mit dem siebten Sinn?" frage ich neugierig. Ich bin ohnehin ein bisschen spirituell veranlagt. Darüber macht man sich auch gern hin und wieder lustig, aber ich möchte nun mal einfach gerne daran glauben, dass uns nach dem Tod noch etwas erwartet. Dass es einen Zustand gibt, in dem wir uns wohlfühlen und Menschen wiedersehen, die wir jetzt vermissen. Omi glaubt auch daran. An diesem Tag geben mir meine Omas etwas, das sich genau danach anfühlt: eine Antwort. Oder zumindest Hoffnung. Eine Ahnung auf genau diese Frage. "Die Mutti, die war ihrer Zeit ja so voraus, nicht wahr, Martha?" "Die war ja im Juli ganz unr...

Kapitel 19 - Juli 1941 - Abschied & der letzte Brief 41

Bild
Am 20. Juli 1941 trifft eine letzte Karte ein: Die letzte Post aus Rußland Im Felde, 10. Juli Ihr Lieben Daheim! Habe noch mal einen Augenblick Zeit um Euch die besten Grüße zu übermitteln!  Mir geht es ganz gut, es ist alles in schönster Ordnung. Nur zum schreiben bleibt mir nicht viel Zeit. Aber lange wird das ja nicht mehr anhalten. Viele Grüße Euer Adolf Ich habe es so im Gefühl als müßte ich Mutter zum Geburtstag gratulieren, also Hals u. Beinbruch?! Grüßt auch Lotte und Ihre Eltern, da ich nicht immer überall hinschreiben kann. Adolf Poststempel 11.7.41 Feldpost Absender Dienstgrad: Soldat Vor- und Zuname: Preußner Feldpostnummer: 23166 / C ---> Weiter zu Kapitel 20:  Trauer

Kapitel 18 - Juni 1941 - Versöhnung: Briefe 38-40

Bild
 ...Lotte hat häufig geschrieben. Die Briefe kamen jedoch nicht immer an. Ich halte einen Brief in meiner Hand, von dem ich immer dachte, er sei von seiner "Mutti" - tatsächlich steht dort aber "Müppi". So nannte er Lotte - Die Müppi.  Warum dieser Brief hier im kleinen Koffer gelandet ist, verstehe ich trotzdem nicht.  Der Brief hätte genauso gut von "Mutti" Auguste stammen können, finde ich.  Isabel, meine Transkript-Heldin, löst das Rätsel allerdings später auf..                                                                                                                                                  ...

Kapitel 17 - Juni 1941 - Überleben & Eifersucht: Briefe 33-37

  Gr., den 3. Juni 1941 Ihr Lieben zu Hause! Eben erhielt ich das Päckchen mit den Apfelsinen und den andern schönen Sachen. Ich danke Euch auch recht herzlich.  Nun sind die Pfingsttage auch wieder um, es waren herrliche Tage, die Sonne meinte es ja so gut. Ich habe von Samstagmittag bis 2. Abends keine Uniform angehabt. Nur ein kleines Höschen aus Sarajewo und dann in der Sonne rumgetollt. Ich werde bald schön braun sein.  Der Dienst ist ganz zum aushalten und das essen auch prima. Besser kann ich es nie bekommen, doch lange wird das ja auch nicht mehr dauern. Vielleicht gibt’s vorher noch mal Urlaub, dann schellt‘s auf einmal bei Preußners und Euer „Raudi“ steht vor der Tür und bittet um Unterschlupf. Dann könnt Ihr aber was vorspannen, dann kommt nochmal Leben in Euren Bau. Aber noch ist nichts bestimmt und beim Komiß weiß man nie wo man dran ist.  Drückt noch mal feste die Daumen, vielleicht klappt es diesmal besser als wie in Frankreich. Viel neues weiß ich nic...

Kapitel 16 - Mai 1941 - Krankheit & Liebeskummer: Briefe 24-32

Bild
O. U. den 2. Mai 1941 Liebes Schwesterlein! Heute, gerade zu Deinem Geburtstag, ist es mir mal wieder möglich, zu schreiben. Entschuldige also die verspätete Gratulation, ich wünsche Dir auch alles Gute für die Zukunft und bleibe wie Du bist, dann wirst Du das Leben schon meistern.  Auch in Deiner Liebe zu Herbert wünsche ich Dir viel Glück und gute Fortschritte. Nun bist Du mir doch sicher nicht mehr böse, nein? Ja, Marianne ich bin jetzt so’n Stück Weltreisender, im Laufe meiner Dienstzeit werde ich wohl noch durch ganz Europa kommen, wenn das so weiter geht. Wir sind am 29.4. in Graz in Österreich auf die Eisenbahn verladen worden u. gestern am 1.5. hier angekommen. Lange werden wir hier auch nicht bleiben, wir liegen in Privatquartieren. Aber Urlaub gibt es immer noch keinen, das hat uns der Alte schon gesagt. Also mal wieder abwarten und Tee trinken. Viele Grüße und einen dicken Geburtstagskuß von Deinem Brüderlein                  ...

Kapitel 15 - ein stiller April

Den Inhalt der Briefe muss ich erst einmal sacken lassen. Oft muss ich lächeln, weil er tatsächlich so schreibt, als würde er ganz selbstverständlich mit seinen Eltern plaudern. Neugierig, aber auch etwas eifersüchtig auf das, was Lotte wohl treibt. Das ist ja auch gut nachvollziehbar.  Und der Größenvergleich.. er sei einen Zentimeter gewachsen, was auch höchste Zeit wurde.  Wächst man denn in dem Alter noch? Naja, er glaubte daran. Ist doch schön. Mit erneutem Blick auf das gemeinsame Foto der Beiden, verstehe ich ihre leicht geduckte und seine strammstehende Körperhaltung wesentlich besser...ein wenig "größer" zu sein als Lotte, war ihm wichtig.  Ich frage mich immer wieder, wie es sich damals angefühlt haben muss, niemals zu wissen, wann oder ob der nächste Brief ankommt. Aus heutiger Sicht - unvorstellbar. Dann liegt sie zudem auch noch im Krankenhaus - vermutlich mit einer Blinddarmentzündung. Er ist ganz verunsichert. Wie hilflos er sich gefühlt haben muss. Gleichz...

Kapitel 14 - März 1941 - Abenteuerlust & Unsicherheit - Briefe: 19-23

Bild
Frankreich, den 8.III. Liebe Eltern u. Geschwister! Gestern abend als ich von Paris kam lag ein Päckchen von Euch auf meinem Bett. Ich sage Euch auch vielen Dank dafür.  Nun ist die Besichtigung vorbei, man hat uns ja vorher ordentlich gestritzt. Es hat sich aber auch gelohnt, denn der Oberst sagte, es wäre die beste Kompanie aus seinem ganzen Regiment. Ich bin ordentlich stolz in so einer Kompanie zu sein.  Am Donnerstag war die Besichtigung, gestern, also Freitag, war fast gar kein Dienst und heute ganz dienstfrei. Ja nun kommt eine gemütliche Zeit, die Ruhe vor dem Sturm. Mit Urlaub wird es ja wohl nichts mehr werden, denn es geht so langsam vorwärts und es sind noch so viele von den Alten die nicht in Urlaub waren, das wir vorerst garnicht dran können denken. Auch das geht vorüber, auf Regen folgt immer Sonnenschein.  Wenn das mit der Unterstützung klappt, dann schreibt mir doch bitte sofort mal. Es interessiert mich doch wieviel Ihr für mich bekommt.  Willi hat ...

Kapitel 13 - Februar 1941 - Krankheit, Gedichte & Heimweh - Briefe: 12-18

Bild
Frankreich, 1. Februar 1941 Liebe Eltern, Geschwister und Erni - falls sie schon da ist! Gestern bekam ich wiedermal einen Brief von meinem Mütterlein. Mein Mütterlein ist sehr pünktlich mit dem schreiben. Und auch sehr ehrgeizig, Sie will nicht das ich mehr schreibe wie Sie. Eben habe ich für Lotte ein Päckchen abgeschickt mit den Sachen die Mutter mir gewaschen hatte. Ja Mütterlein, Du sorgst nicht nur für Deine Kinder sondern auch für Deine “Schwiegerkinder!” Was macht denn mein großer Bruder so, fühlt er sich denn wohl als Zivilist? Der kann gut lachen mitsamt meiner Schwägerin. Die schwelgen jetzt im Glück. Aber ich bin Gönner und habe Verständnis für die Liebelei. Bin ja genauso ein “Verliebter Lümmel”, wie mein großer Bruder. Mit meinem Urlaub das wird wohl zu 99,99% nichts mehr geben. Die Zahl derjenigen, die überhaupt noch fahren, ist so minimal, das ich, wenn das so weiter geht, im Mai dran käme. Bis dahin ist aber eine lange Zeit und es besteht ja kaum die Möglichkeit das wi...