Kapitel 14 - März 1941 - Abenteuerlust & Unsicherheit - Briefe: 19-23

Frankreich, den 8.III.

Liebe Eltern u. Geschwister!

Gestern abend als ich von Paris kam lag ein Päckchen von Euch auf meinem Bett. Ich sage Euch auch vielen Dank dafür. 

Nun ist die Besichtigung vorbei, man hat uns ja vorher ordentlich gestritzt. Es hat sich aber auch gelohnt, denn der Oberst sagte, es wäre die beste Kompanie aus seinem ganzen Regiment. Ich bin ordentlich stolz in so einer Kompanie zu sein. 

Am Donnerstag war die Besichtigung, gestern, also Freitag, war fast gar kein Dienst und heute ganz dienstfrei. Ja nun kommt eine gemütliche Zeit, die Ruhe vor dem Sturm. Mit Urlaub wird es ja wohl nichts mehr werden, denn es geht so langsam vorwärts und es sind noch so viele von den Alten die nicht in Urlaub waren, das wir vorerst garnicht dran können denken. Auch das geht vorüber, auf Regen folgt immer Sonnenschein. 

Wenn das mit der Unterstützung klappt, dann schreibt mir doch bitte sofort mal. Es interessiert mich doch wieviel Ihr für mich bekommt. 

Willi hat mir auch vor einigen Tagen noch geschrieben, er hatte mal wieder viel Arbeit wie er schrieb. Mit dem Schlammteich in Flandersbach das muß ja ein tolles Ding gewesen sein. Lotte schrieb mir auch davon. 

Mit dem Krieg gegen England spitzt es sich ja sehr zu, bald wird die Sache zum platzen kommen. Ich möchte, ich könnte dem Churchill höchst persönlich den Kopf abhacken, dieser Menschenhändler. 

Liebe Marianne, erkundige Dich doch mal nach der Adresse von Hansi Möller, er hat mir geschrieben, ich konnte aber seine Adresse nicht richtig lesen. Ich habe Ihm auch wieder geschrieben, aber der Brief kam wieder zurück. 

Sonst gehts mir gut, das Wetter scheint ja auch einigermaßen werden zu wollen. Nun fehlen mir nur noch 14 Tage Urlaub, dann möchte ich es nie besser haben. 

Ich danke auch Marianne und Marta recht schön für die Geburtstagsgrüße. 

Wie gehts dem Otto noch, frißt er noch immer soviel??? Entschuldige!

Viele 1000 Grüße aus France sendet Euch

Euer Adolf

Viele Grüße an Wellpotts und Zündorfs & Julie u. Max

                                                                                                                                                                           


Frankreich, den 11.III.41

Ihr Lieben daheim!

Gestern Abend bekam ich einen Brief von Euch für den ich auch recht herzlich danke. Die Bescheinigung von meiner Kompanie werdet Ihr ja sicher schon bekommen haben. 

Seit einigen Tagen haben wir hier das schönste Frühlingswetter, das geht mir ordentlich durch die Glieder, nach diesem langen Winter. Ihr wundert Euch das ich gewachsen bin, ja ich bin mindestens 1,71 - 1,72 groß und wiege mit Mantel 147 Pfund. Da staunt Ihr was! Bei meinem soliden Lebenswandel kann der Erfolg ja auch nicht ausbleiben. 

Es ist hier alles geregelter wie zu Hause, man muß immer um dieselbe Zeit ins Bett und bekommt seine Mahlzeiten über pünktlich. Ich glaube das macht viel aus. Jetzt bin ich auch endlich so groß wie Lotte, sogar noch 1 cm größer. 

Ihr werdet ja höchst erstaunt sein, das ich bald jede Woche in Paris rumsegele. Ja ich habe schon sehr vieles gesehen und bekomme auch noch mehr zu sehen und alles kostenlos. Im Gegenteil, ich bekomme noch frei essen, frei Kleidung und noch Geld dazu. 

Ich habe mich jetzt damit abgefunden das ich keinen Urlaub mehr bekomme, ich habe mich in mein Vagabundenleben gefunden. Und mir geht es ja nicht alleine so, warum sollte ich es denn besser haben wie so viele andere. 

Sollte ich trotzdem mal bald kommen, dann ist Eure Freude um so größer und ich kann sagen 1⁄4 meiner Dienstzeit habe ich nun schon hinter mir. Die Zeit geht mir rum wie im Flug und nun nach der Besichtigung haben wir auch ein ganz nettes Tempo in unserem Dienstbetrieb.

Noch 3 mal 1⁄2 Jahr dann kann ich zu Vater in den Kriegerverein gehen, dann ist er nicht mehr so ganz allein. Zum schreiben bringen Ihn scheinbar keine 10 Pferde, er hat ja auch so genug zu tun und soll seiner Auguste ruhig das schreiben überlassen.

An Marga Groß werde ich zur Konfirmation schreiben, Ihre drollige Karte habe ich schon erhalten. 

Was macht denn Marta noch, ist Sie noch rüstig? 

Marianne ist ja immer rüstig, das ist ja ganz klar. Nun auf baldiges wiederhören.

Euer Sohn u. Bruder

Adolf


                                                                                                                                                                           

Frankreich, den 12.III.

Liebe Eltern u. Schwester!

Es ist ein Wetter hier zum Eier legen, die Sonne scheint Ihre ersten warmen Frühlingsstrahlen.

Da lebt man regelrecht wieder auf. Ich bin heute so gut aufgelegt, wie das 5. Rad am Wagen. Seit Donnerstag, also nach der Besichtigung, haben wir kaum noch Dienst. Nachmittags ist meistens Fußballspielen für diejenigen die nicht raus fahren nach Paris. Zum rausfahren langt mein Gehalt nicht, also spiele ich Fußball.

Heute mittag hat der Spieß die 22 besten Spieler ausgesucht, die für die Bataillons- und Regimentsmeisterschaften üben.

Es waren lauter Uffz. und Obergefreite und - - - na ratet mal? Als einziger Schütze Euer Sohn Adolf. Je länger ich bei den Preußen bin, um so besser gefällt es mir. Aber 12 Jahre wäre mir doch ein bischen lang und so lange würde ja auch Müppilein nicht gut warten können. Das kann ich Ihr ja doch wohl schlecht zumuten. 

Um auf die Überschrift zurückzukommen. Tante Änne schrieb mir gestern das Marianne nach Hamburg sei. Ich bin einfach platt, das habe ich ja bisher überhaupt nicht gewußt, das die mit dem Herbert einen Klöngel hat. Nun habt Ihr Sie ja alle untergebracht. Ich kann nur nicht verstehen, das die sich alle so in die Ferne verlieben.

Das ist doch immer Zeitverlust im Urlaub, da habe ich es doch entschieden besser, nicht wahr?!

Nur das mir der Urlaub fehlt, aber das kommt ja noch. Morgen fährt unser Chef in Urlaub, wenn wir noch einige Wochen hier bleiben, dann sind auch wir an der Reihe. Aber, aber, wir sind motorisierte Truppen, also schnell bewegliche Truppen und werden wohl als 1. eingesetzt.

Dann gehts aber schaurig rund, im Frankreichfeldzug waren die nämlich noch nicht motorisiert und da haben die schon Allerhand mitgemacht. Unser Div. Kommandeur hat auch das Ritterkreuz.

Na wenn ich das mal habe, dann gehe ich nicht mehr arbeiten. Für das Päckchen, was für mich unterwegs ist, danke ich schon im voraus. Gestern bekam ich 1 von Tante Änne, Onkel Hermann hat sich scheinbar sehr gefreut über die Zigarretten.

Es waren auch 160 Stück, sobald ich mich mal ein bischen “erholt” habe, schicke ich Ihm wieder welche.

Nun viele Grüße

Euer Adolf! 

                                                                                                                                                                           

Frankreich, den 16.III.

Liebe Eltern u. Geschwister!

Heute habe ich den Brief bekommen, in dem Ihr mir mitteilt, das Lotte im Krankenhaus liegt. Ihr Vater teilte mir das bereits gestern mit. Er schrieb auch das Vater bei Ihnen war und seine Frau bei Euch. Ich war ganz erstaunt, denn Lotte war doch immer so gesund wie ein Fisch im Wasser. Wie kann das nur möglich sein, das hört man doch soviel jetzt. Grete Stöcker doch auch im vorigen Jahr, ungefähr um dieselbe Zeit. Schlimm ist soetwas ja wohl nicht, denn es laufen doch soviel Menschen ohne Blinddarm rum. Oder meinst Du doch, liebe Mutter? 

Seid nur schön lieb zu Ihr, denn Ihr müßt mich ja jetzt ersetzen, wie Mutter so schön schreibt. Ihr wißt ja auch wie ich an Lotte hänge und das wird sich auch nie ändern und sollte ich die ganzen 2 Jahre nicht nach Hause kommen bezw. zu Ihr. 

Hat sie denn sehr viel Schmerzen gehabt in den ersten Tagen? Warum ist Sie denn nach Elberfeld gekommen und nicht nach Wülfrath? 

Lottes Vater schreibt mir bald jeden Tag, auch heute wieder, wie es Ihr geht. Es ist ja Ihr einziges Kind und Sie hängen da natürlich sehr dran. Denn Ihr habt sogar 4 davon und hängt an allen 4. 

Willi schrieb mir gestern auch ein lustigen Brief. Wo werden wir beide wohl noch überall hinkommen. Man erzählt sich die tollsten Sachen hier, es ist ja immer etwas wahres daran. 

Gestern habe ich Euer Päckchen erhalten, es hat mir wunderbar gemundet und ich sage Euch meinen herzlichsten Dank.

Wie ich aus dem Brief, den ich eben bekam, ersehe ist Marianne doch nicht nach Hamburg. Wie kommt denn das? Ja der Herbert war ein lieber Kerl. Solche Soldaten gibt es nicht sehr viele. Ich gehe ja auch nicht mit anderen Mädels aus, das habe ich seit dem 15. Mai 1940 seit dem ich von Lotte fort bin noch nicht gemacht. Aber so jeden Abend zu Hause sitzen wie Herbert das tat, das ist ja nicht mein Fall. Also ist Herbert ein Musterexemplar. 

Zum Schluß bitte ich Euch alle 4 lieb, immer nett zu Lotte zu sein. Besucht Sie sooft es geht und denkt dabei, das Ihr mir einen großen Dienst erweist. Es ist Krieg, ich muß hier meinen Mann stehn, glaubt garnicht das hier schon alles so in Ordnung ist. Die Franzosen sind unser Feinde.

Viele Grüße

von Eurem Adolf

                                                                                                                                                                          

O.U., den 22.III.41

Klein Martas Geburtstags-Tag

Ihr Lieben zu Hause!

Ich möchte mich nun mal recht, recht herzlich für die beiden Päckchen und für die 5,- Rm bedanken. Ich weiß garnicht was ich verbrochen habe das es mir so gut geht in der letzten Woche? 

Von Göpfers 15,- Rm, von Euch 5,- Rm und 2 Pakete und von Willi 5,- Rm. Ja so geht das einmal schwelgt man im Geld, dann mal wieder weiß man nicht von einem Tag zum anderen zu kommen. 

Im allgemeinen ist ja hier alles ziemlich billig was trinken und rauchen anbelangt. 1 Flasche Bier mit 3⁄4 Liter kostet 12 - 15 Pfg. und 20 Ziggaretten 25 - 30 Pfg. In letzter Zeit passieren hier allerhand Sabotageversuche, man muß sehr vorsichtig sein, falls es Abends sehr dunkel ist. 

An Marga Groß habe ich sofort geschrieben auch an klein Marta. 

Willi schrieb mir nur einige Worte zu dem Geld. Der scheint immer sehr wenig Zeit zu haben.

Gestern haben wir einen Bataillonsmarsch gemacht von 40 km, das war eine anständige Kolonne, das ganze Batl. Zwischen diesem Marsch lag noch ein großes Gefecht, es gingen über Hecken und Zäune und Ackerfelder. Wir waren alle erschossen gestern Abend, zumal es gestern sehr warm war und dann noch all die Klamotten am Körper hängen. Wir müssen Benzin sparen, sonst würden wir diese Märsche ja alle mit den Autos machen, das nennt man dann Motmarsch.

An den Füßen hatte ich zu meinem Erstauen gar keine Beschwerden, nur körperlich war ich sehr müde. Ja was so die richtigen alten Deutschen sind, die machen alles mit, ohne mit der Wimper zu zucken. Und dem Otto seine Jungens sind gute Soldaten und schrecken vor nichts zurück. 

Ich seh so lieb und zahm aus, ich sehe aber auch nur so aus. Vorige Tage war auch einer, der viel stämmiger ist als ich, der hatte andauernd was zu nörgeln.

Dem habe ich 2 mal bloß eine gegeben, da saß er mit dem Hintern im Kohlenkasten und hatte genug. Der ist jetzt so nett und lieb, den kann ich jetzt um den Daumen wickeln. 

Unser Chef sagt immer, nicht lange reden, sofort eine kleben, das hilft am besten. 

Eben habe ich auch einen Brief an Lotte geschrieben, ich bin ja so froh das Sie bald wieder gesund wird. Ich sitze auf der Uffz. Stube und höre Radio während des schreibens.

Nun muß ich schließen, an Willi will ich auch noch schreiben.

Nun viele Grüße

Euer Sohn u. Bruder Adolf


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