Zusatzkapitel 1 „Lotte“ eine Suche beginnt...
Ich denke häufig an Lotte.
Wie hat sie damals wohl den Verlust von Dolf verkraftet? Ist sie in Wülfrath geblieben? Hat sie geheiratet – und wenn ja, wen?
Oder hat sie den Krieg womöglich gar nicht überlebt?
Fragen über Fragen.
Immer wieder male ich mir neue Szenarien aus. Doch die Wahrscheinlichkeit, sie heute noch lebend zu finden, ist verschwindend gering.
Also beginne ich zunächst damit, alle Fakten über sie zu sammeln:
Sie wird Lotte genannt – vermutlich eine Kurzform von Lieselotte oder Charlotte. Der Name Göpfer taucht immer wieder auf. Dolf schreibt Briefe an den „alten“ Göpfer, erwähnt ihn mehrfach und schildert, wie sehr dieser sich um sein einziges Kind sorgt. Damals lag Lotte im Krankenhaus, vermutlich wegen einer Blinddarmentzündung.
Lotte Göpfer – ein Einzelkind.
Eine schnelle Suche nach „Lotte Göpfer Wülfrath“ bleibt ohne Ergebnis. Auch Recherchen in genealogischen Datenbanken verlaufen erfolglos.
In einem Forum für Ahnenforschung sowie Sütterlin- und Kurrentschrift erhalte ich schließlich einen wertvollen Hinweis: „Zeitpunkt.nrw“, ein digitales Zeitungsarchiv. Dort lassen sich Schlagwörter eingeben, die zu Zeitungsartikeln vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart führen.
„Göpfer“ …
Die Velberter Zeitung, die nur bis 1950 erschien, liefert den entscheidenden Hinweis:
25. April 1938
„…unsere Mädelsscharführerinnen… Lieselotte Göpfer, Wülfrath…“
Bingo.
Ich habe einen Namen: Lieselotte Göpfer.
Was folgt, sind zahlreiche Anfragen – an das Standesamt, das Stadtarchiv, das Einwohnermeldeamt. Sogar an evangelische Friedhöfe schreibe ich. Doch die gesetzlichen Sperrfristen für personenbezogene Daten erschweren die Recherche erheblich:
Geburtsurkunden werden erst nach 110 Jahren frei zugänglich, Heiratsurkunden nach 80 und Sterbeurkunden nach 30 Jahren. Nach Ablauf dieser Fristen gelangen die Dokumente in die jeweiligen Stadtarchive, zuvor werden sie in den Standesämtern aufbewahrt.
Gehe ich davon aus, dass Lotte etwa im gleichen Jahrgang wie Dolf geboren wurde – also um 1920 –, wird ihre Geburtsurkunde frühestens 2030 zugänglich sein. Anders wäre es nur mit einem direkten Verwandtschaftsnachweis, doch der liegt in diesem Fall leider nicht vor.
Hinzu kommt: Beim Standesamt sind überhaupt keine Unterlagen zu diesem Namen vorhanden. Man hätte mir gerne geholfen, doch „Göpfer“ erscheint dort in keiner Datenbank.
Seltsam.
Es wirkt fast, als sei sie nach Dolfs Tod vom Erdboden verschwunden.
Doch es gibt noch das Stadtarchiv Wülfrath, Teil des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen – und NRW ist in dieser Hinsicht gut aufgestellt...

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